Logopädie | totalvokal Düsseldorf

Die Logopädie ist die medizinische Fachdisziplin, die sich mit Sprech-, Sprach-, Stimm- und Schluckstörungen befasst. Vor einer logopädischen Behandlung stellen sich für die Patienten viele Fragen: Wer verordnet die Therapie? Wie hoch sind die Kosten? Werden sie von der Krankenkasse übernommen? Welche Störungsbilder werden überhaupt behandelt? Wie ist der Ablauf und wie lange dauert eine logopädische Behandlung?
In diesem Artikel finden Sie die Antworten auf die wichtigesten Fragen…

Welche Störungen werden in der Logopädie behandelt?

Sprech-, Sprach-, Stimm- und Schluckstörungen können in jeder Lebensphase auftreten, so dass eine logopädische Therapie sowohl bei Kindern, als auch im gesamten Erwachsenenalter sinnvoll sein kann.

Sprachentwicklungsstörungen

Sprachentwicklungsstörungen zeigen sich während der Sprachentwicklung bei Vorschulkindern. Normalerweise verläuft dieser Prozess ganz nebenbei und für die Eltern fast unbemerkt und die Kinder erwerben in den ersten 6 Jahren ihres Lebens ihre Muttersprache. In dieser sprachsensiblen Phase lernen sie immer mehr Wörter kennen, entwickeln eine gut zu verstehende Aussprache und eignen sich das grammatikalische Regelsystem ihrer Muttersprache an. Mit ungefähr 6 Jahren sind die Grundzüge des Spracherwerbs abgeschlossen und Kinder sprechen in vollständigen und gut zu verstehenden Sätzen.
Leider verläuft dieser Prozess nicht immer reibungslos und es kommt in ungefähr 9% der Fälle zu Sprachproblemen, die von Kind zu Kind sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Zugrunde liegen in den meisten Fällen spezifische Probleme in der Sprachverarbeitung, die dazu führen, dass Kinder die sprachlichen Informationen nur unzureichend aufnehmen und weiterverarbeiten können. Daraus entwickeln sich Sprachentwicklungsstörungen mit unverständlicher Aussprache, kleinem Wortschatz, eingeschränktem Sprachverständnis und grammatikalischen Auffälligkeiten.
Aus sprachwissenschaftlicher Sicht sollte eine logopädische Therpapie möglichst früh einsetzen, um die sprachsensible Phase möglichst gut auszunutzen und die Sprachentwicklungsstörung bis zur Einschulung zu überwinden.

Stimmstörungen

Die Stimme ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Die meisten Menschen machen sich wenig Gedanken über ihre Funktionsweise, benutzen Sie aber täglich. Erst dann, wenn die Stimme nicht mehr reibungslos funktioniert rückt sie ins Bewusstsein. Stimmstörungen entstehen häufig durch eine Überbelastung in besonders sprechintensiven Berufen, in Kombination mit einer ungünstigen Atem-, Sprech- und Stimmtechnik. Die häufigsten Beschwerden und Symptome sind die Heiserkeit, Sprechanstrengung, Schmerzen im Kehlkopfbereich und in der Folge eine Sprechunlust und der soziale Rückzug. Stimmstörungen führen zu deutlichen Einschränkungen der Lebensqualität.

Neurogene Sprech- und Sprachstörungen

Unsere Sprache entsteht in unserem Gehirn. Wenn Gedanken zu Wörtern werden, ist unser Gehirn hochaktiv. Wenn wir Sätze bilden und Wörter produzieren ist es unser Gehirn, das diese Arbeit erledigt. Auch die Steuerung der Artikulationsorgane, der Atemmuskulatur und der Stimmgebung erfolgt auf diese Weise. Neurologische Erkrankungen können dazu führen, dass die zentrale Steuerung des Sprechens, der Sprache und des Schluckens nicht mehr fehlerfrei funktioniert. Die häufigste Ursache neurogener Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen ist der Schlaganfall, der zu einer plötzlich eintretenden Sprachstörung, der Aphasie, führen kann. Weitere Erkrankungen bei denen eine logopädische Therapie erforderlich sein kann sind:

  • Amytrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Cerebralparesen
  • Multipler Sklerose
  • Down Syndrom
  • Demenz

Redeflussstörungen: Stottern und Poltern

Normalerweise ist unsere Sprache durch einen gleichmäßigen Redefluss gekennzeichnet. Wir verbinden die Laute zu Wörtern und Sätzen und unterbrechen den Redefluss nur, um wieder Atem zu holen. Dies führt zu einer fließenden Sprache und einem mühelosen und leichtgängigen Sprechen.
Redeflussstörungen wie z.B. das Stottern sind durch eine Unflüssigkeit beim Sprechen gekennzeichnet. Ungewollt kommt es zu Unterbrechungen, Silbenwiederholungen oder Dehnungen von Sprachlauten. Das Sprechen ist mühsam und durch eine erhebliche Anstrengung gekennzeichnet und häufig führt dies zu erheblichen kommunikativen Einschränkungen und zum sozialen Rückzug.

Schluckstörungen

Schlucken ist eine wichtige lebenserhaltende physiologische Grundfunktion. Wir Schlucken täglich mehr als 2000 Mal und verwenden dazu die gleichen anatomischen Strukturen wie zum Sprechen, Singen und Atmen. Normalerweise verläuft das Schlucken problemlos und unbemerkt  werden Getränke, Speisen oder der Speichel über die Speiseröhre in den Magen transportiert. Damit dies gelingen kann, ist ein sehr komplexer und koordinierter Bewegungsablauf erforderlich.  Im Rahmen verschiedener Erkrankungen kann es dazu kommen, dass dieser Bewegungsablauf nicht mehr fehlerfrei funktioniert und es zu einer Schluckstörung kommt.

Sprache & Musik: Sprache, Sprechen, Singen

Sprache und Musik sind eng verwandt. In allen Teilen der Welt haben Menschen sowohl Sprache als auch musikalische Ausdrucksformen entwickelt. Genau wie das Sprechen auch, ist das Singen untrennbar mit der menschlichen Entwicklung verbunden.
Beim Sprechen und Singen verwenden wir im wesentlichen die gleichen organischen Strukturen, nämlich die Artikulationsorgane, den Kehlkopf, die Atmung und natürlich die entsprechenden neuronalen Strukturen des zentralen und peripheren Nervensystems.
Dass Sprache einen starken Einfluss nicht nur auf das menschliche Befinden, sondern auch auf die kognitive Entwicklung hat, wird seit langer Zeit angenommen. Auch wenn es bislang noch wenig erprobte und wissenschaftlich untersuchte musiktherapeutische Verfahren in der Sprachtherapie gibt, sind wir aufgrund eigener Erfahrung davon überzeugt, dass gemeinsames Singen und musizieren ein sehr mächtiges Instrument der Sprachförderung sein kann. Erfreulicherweise entdecken immer mehr junge Eltern wieder das Singen und fördern damit ganz nebenbei wichtige Fähigkeiten ihrer Kinder.

Der Ablauf und die Dauer einer logopädischen Therapie

Die Indikation für eine logopädische Behandlung wird von einem Arzt gestellt. Der Patient erhält in diesem Fall eine Heilmittelverordnung, mit der er die logopädische Praxis seiner Wahl kontaktieren kann. Dort erhält er die Termine für die Behandlung.

In der ersten Sitzung erfolgt i.d.R. die logopädische Diagnostik, die das Ziel hat, die Symptomatik der Sprach-, Sprech-, Stimm- oder Schluckstörung zu identifizieren und die logopädischen Diagnosen zu stellen. Darauf aufbauend erfolgt die Therapieplanung mit den Fragestellungen, welche  Therapieziele definiert werden, welche Therapiemethoden sinnvoll erscheinen und wie viele Therapieeinheiten voraussichtlich erforderlich sein werden.

Welche Ärzte können eine logopädische Behandlung verordnen?

Grundsätzlich können sowohl Hausärzte als auch Fachärzte Logopädie verordnen. Im einzelnen sind das:

  • Hausärzte
  • Internisten
  • Kinderärzte
  • Neurologen
  • Kieferorthopäden
  • Phoniater
  • HNO-Ärzte
  • Kinder- und Jugendpsychiater

Wer übernimmt die Kosten?

a) Gesetzlich Versicherte Patienten
Eine medizinisch indizierte logopädische Sprachtherapie ist grundsätzlich eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Dafür erforderlich ist immer die ärztliche Verordnung.  Bei Kindern übernehmen die Krankenkassen die Kosten vollständig. Erwachsene Patienten beteiligen sich mit 10% zuzüglich 10,- € je Verordnung an den Kosten. Eine Befreiung von der Zuzahlung ist möglich.

b) Privat versicherte Patienten
Bei privat versicherten Patienten wird ein Behandlungsvertrag zwischen dem Therapeuten und dem Patienten geschlossen. Privatpatienten zahlen die Kosten der Logopädie zunächst grundsätzlich selbst und können die Unterlagen nachträglich bei ihrer Kasse einreichen.  Zur Prüfung einer Kostenübernahme wird dem Patienten empfohlen, vor Beginn der Behandlung bei seiner privaten Versicherung vorzusprechen.