Schreiknötchen bei Kindern

Schreiknötchen entstehen durch eine dauerhafte Überlastung der Stimmlippen in Folge eines extremen Stimmgebrauchs. Betroffen sind häufig sehr laute und impulsive Kinder. Durch die dauerhafte Überlastung der Stimme bilden sich kleine knotenförmige Verdickungen auf den Stimmlippen, die einen heiseren Stimmklang und Sprechanstrengung verursachen. In einer kindlichen Stimmtherapie lernen die Kinder auf spielerische Weise, wie sie ihre Stimme wirkungsvoll und ökonomisch einsetzen können, damit sich die Schreiknötchen wieder zurückbilden können.

Wie entstehen Schreiknötchen?

Eigentlich haben die meisten Kinder eine sehr leistungsfähige und belastbare Stimme. Sie nutzen ihre Stimme viel expressiver als Erwachsene. Wenn wir Kindern zuhören, sind wir häufig erstaunt, wie groß die stimmliche Bandbreite ist: Sie sprechen, singen, schreien, kreischen, flüstern, weinen usw. Obwohl das kindliche Stimmsystem noch sehr leistungsfähig ist, gibt es einige Kinder, bei denen die stimmliche Belastung zu einer Überforderung der Stimmlippen führt. Der hohe Ausatemdrucks bei der Stimmgebung führt mit der Zeit dazu, dass sich an den Stimmlippen knotenartige Verdickungen bilden und sich die Stimmritze (Glottis) nicht mehr vollständig schließen kann. Dieser Glottisspalt führt zur Heiserkeit.

Sollten Schreiknötchen operiert werden?

Schreiknötchen sollten im Kindesalter normalerweise nicht operiert werden. Aufgrund der starken anatomischen Veränderungen der Stimmgebung während des Stimmbruches, verändert sich auch die Stimmtechnik und die Knötchen können in dieser Entwicklungsphase von alleine wieder verschwinden.

Wann sollte eine kindliche Stimmtherapie aufgenommen werden?

Bei eindeutigen Symptomen einer Heiserkeit sollte immer eine HNO-ärztliche Untersuchung erfolgen. Wenn der HNO-Arzt Schreiknötchen feststellt, verordnet er ggfs. eine kindliche Stimmtherapie. Durch eine logopädische Therapie lässt sich einerseits die Stimmtechnik verbessern andererseits die stimmbelastenden Faktoren reduzieren.

Wie können Belastungsfaktoren verringert werden?

Da kindliche Stimmstörungen meistens durch eine erhöhte Stimmbelastung entstehen ist es im Rahmen einer logopädischen Stimmtherapie zunächst einmal wichtig, stimmbelastende Faktoren zu identifizieren und anschließend zu verändern.

  • Wahrnehmung der stimmlichen Belastung
    Im Gespräch mit Eltern und Kind ermitteln wir die Belastungsfaktoren für die Stimme:
    • Welche Situationen sind besonders stimmbelastend?
    • Ist die Stimme manchmal besonders heiser?
    • Welche Aktivitäten führen zur Stimmverschlechterung?
    • Warum verwendet das Kind seine Stimme auf diese belastende Weise?
    • Hat die familiäre Kommunikationskultur einen Anteil an der Problematik?
  • Reduktion der stimmlichen Belastung
    In therapiebegleitenden Gesprächen entwickeln wir gemeinsam mit den Eltern Strategien, wie stimmbelastende Situationen verändert bzw. vermieden werden können. Die folgenden Fragen helfen:
    • Welche stimmschädigenden Situationen können vermieden werden?
    • Lassen sich Konflikt anders lösen, als durch Lautstärke?
    • Lassen sich familiäre Kommunikationsstrukturen im Sinne der Stimmgesundheit verändern?

Wahrnehmung der eigenen Stimme

Bevor die eigentliche Stimmübungsbehandlung beginnen kann, muss das Kind seine eigene Stimme zunächst einmal kennenlernen. Denn die wenigsten Kinder sind sich überhaupt darüber bewusst, dass sie Schreiknötchen haben und ihre Stimme heiser klingt. Mit Hilfe von Aufnahmen der eigenen Stimme, lernt das Kind zunächst einmal den eigenen Stimmklang und seine Sprechweise kennen. Wir lassen uns dabei von den folgenden Fragen leiten:

  • Was ist Heiserkeit? 
  • Gibt es Luft oder andere Geräusche im Stimmklang?
  • Wie laut spreche ich? 
  • Wie sehr muss ich mich anstrengen um zu sprechen?
  • Mache ich genügend Atempausen?
  • Wie lang ist die Atempause?
  • Wieviel Luft atme ich ein?
  • Wo entsteht der Druck beim sprechen?
  • Ist die Bauchmuskulatur beim Sprechen angespannt? etc.

Stimmübungen

Je effizienter die Stimmtechnik, desto leistungsfähiger und robuster ist die Stimme. Nachdem das Kind in den ersten Stunden bereits viele Erfahrungen mit seiner eigenen Stimme gemacht hat, lernt es im weiteren Verlauf viele verschiedene Stimmübungen kennen. Diese helfen ihm dabei die Stimmtechnik zu verbessern und eine weniger heiseren Klang zu finden. Ein paar Beispiele:

  • Wenn wir beim Sprechen wenig Druck durch die Bauchmuskulatur erzeugen, dann können die Stimmlippen viel leichter Schwingen und das sprechen gelingt mit weniger Kraftaufwand.
  • Je weniger angespannt unsere Bauchmuskulatur beim Sprechen ist, desto tiefer ist die Einatmung. Dadurch stellt sich die Zwerchfell- oder Bauchatmung ein, die für eine gesunde Stimmgebung wichtig ist.
  • Damit wir beim Sprechen über genügend Luft verfügen, sollten wir regelmäßig Atempausen machen und genügend einatmen.
  • Wenn wir in einem ruhigen, nicht zu schnellen Tempo sprechen, dann wirkt sich dies meist sehr positiv auf unsere Aussprache, unsere Atmung und unsere Stimmgebung aus.

Wenn Sie weitere Fragen zu Schreiknötchen haben, dann schreiben Sie mir eine E-Mail.