Stimmstörungen: Ursachen, Symptome, Stimmtherapie

Stimmstörungen sind gekennzeichnet durch das Hauptsymptom der Heiserkeit, die zu einer meist deutlich reduzierten stimmlichen Leistungsfähigkeit führt. Da unsere Stimme unser wichtigstes Kommunikationsmittel ist, führen Stimmprobleme oft zu erheblichen kommunikativen Einschränkungen im beruflichen und privaten Leben. Besonders häufig davon betroffen sind Menschen, die in sprechintensiven Berufen arbeiten, wie z.B. Erzieher, Lehrer oder Menschen in beratenden Berufen. Eine Stimmtherapie hat das Ziel, die stimmliche Ökonomie und Leistungsfähigkeit wieder herzustellen, so dass die Stimme den kommunikativen Anforderungen des Alltags standhält.

Lesen Sie in diesem Artikel über die Gründe und Ursachen für Stimmstörungen, wie sie behandelt werden und wann die Kosten von der Krankenkasse getragen werden.

Stimmstörungen: Gründe und Ursachen

Stimmstörungen entstehen meistens durch eine Kombination verschiedener Faktoren. Je nachdem, welche Ursachen dabei im Vordergrund stehen, wird die Störung medizinisch einer der folgenden Gruppen zugeordnet.

Funktionelle Stimmstörungen

1. Hyperfunktionelle Dysphonie

Bei der hyperfunktionelle Stimmstörung kommt es zu einer dauerhaften Überlastung des Stimmsystems. Die Ursachen sind meistens eine unökonomischen Stimmtechnik, in Kombination mit einer erhöhten Stimmbelastung im beruflichen oder privaten Alltag. Sie tritt häufig bei Berufssprechern und bei besonders lauten Kindern auf.

Symptome

  • Unabsichtliche, übertriebene Kontraktion der an der Stimmproduktion beteiligten Muskeln, einschließlich der Atem-, Artikulations- und Halsmuskulatur.
  • Stimmklang: rau, gepresst, klangarm, angestrengt oder belegt
  • Heiserkeit
  • Schmerzen beim Sprechen aufgrund der Überbeanspruchung der Phonationsmuskulatur
  • Kloßgefühl im Hals
  • Verspannungen im Kopf-, Halsbereich (Zunge, Lippen, Kinn, Hals). Durch die Überlastung der am Sprechen beteiligten Muskeln kommt es häufig zu Spannungskopfschmerzen.
  • Rückverlagerte Artikulation, sogenanntes Knödeln
  • Räusperzwang
  • Phoniatrische Untersuchung: gerötete Schleimhaut im Kehlkopf, Sekret auf den Stimmlippen

2. Hypofunktionelle Dysphonie

Die hypofunktionelle Stimmstörung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Stimmleistung entweder durch Anlage oder aufgrund einer erhöhten Anforderung nicht ausreicht. Hypofunktionelle Stimmen können als  „schwache Stimmen“ bezeichnet werden. Sie klingen leise, behaucht, klangarm und sind wenig belastbar. Betroffen sind überwiegend Menschen mit zurückhaltendem Persönlichkeitstyp, wie z.B. schüchterne oder ängstliche Menschen. Im beruflichen Alltag führen die Stimmprobleme insbesondere in Sprechberufen zu einem hohen Leidensdruck und zu kommunikativen Einschränkungen.

Organische Stimmstörungen

Zeigen sich in der stimmärztlichen phoniatrischen Untersuchungen organische Veränderungen oder Anomalien im Bereich des Kehlkopfes spricht man von einer organischen Dysphonie. Die Symptomatik ist wie bei den funktionellen Stimmstörungen auch von der Heiserkeit geprägt und variiert je nach Ausmaß des organischen Befundes. Einige Besipiele für organische Stimmstörungen:

Psychogene Stimmstörungen

Unsere Stimme steht in enger Beziehung zu unserem emotionalen Befinden. Jeder hat schon die Erfahrung gemacht, dass unsere Emotionen in unserem Stimmklang hörbar werden. Ein vergnügter Mensch klingt anders als ein trauriger, ein selbstsicherer Mensch hat einen andere Stimmklang als ein verunsicherter. Aufgrund dieses Zusammenhanges gibt es Stimmstörungen, die ihre Ursachen in seelischen Erkrankungen haben.

Stimmtherapie: Behandlungsmöglichkeiten bei Stimmstörungen

Stimmdiagnostik
Jede Stimmstörung ist einzigartig und jeder Patient hat seine individuellen stimmtechnischen Eigenheiten. Für die Planung der Therapie ist es entscheidend, die atem-, sprech- und stimmtechnischen Defizite zu identifizieren, um daraus eine zielführende Therapieplanung zu entwickeln. Zu Beginn der logopädischen Therapie erfolgt daher immer eine ausführliche Stimmdiagnostik, die das Ziel hat, die individuellen Ausprägungsmerkmale der Stimmstörung zu analysieren. In der Anamnese berichtet der Patient über die Beschwerden mit seiner Stimme. Anschließend wird eine ausführliche logopädische Stimmanalyse durchgeführt.

Logopädische Stimmtherapie
Aufbauend auf den Ergebnissen der Diagnostik beginnt anschließend die Stimmübungsbehandlung. Die Ziele orientieren sich immer an der individuellen Problematik des Patienten. Häufig stehen die folgenden Therapieziele im Vordergrund:

  • Entwicklung einer klangvollen, resonanzreichen und kraftvollen Stimmgebung
    Die Optimierung der Stimmtechnik führt in der Regel zu einer deutlich leistungsfähigeren Stimmfunktion. In diversen Stimmübungen lernt der Patient seine Stimme ökonomisch aber wirkungsvoll einzusetzen.
  • Förderung einer physiologischen Sprechatmung
    Die Grundlage für eine gut funktionierende Stimme ist eine gute Atemtechnik. Der Patient lernt in der Therapie die Merkmale der physiologischen Sprechatmung kennen und diese beim Sprechen einzusetzen.
  • Entwicklung einer präzisen und deutlichen Artikulation
    Eine präzise und deutliche Aussprache führt zu einer besseren Verständlichkeit und einer guten Klangverstärkung im Vokaltrakt und damit zu einer klangvolleren und leistungsfähigeren Stimme.
  • Optimierung der Umgebungsfaktoren
    Ein sehr wichtiges Therapieziel ist die Identifikation stimmschädigender Umgebungsfaktoren im beruflichen Alltag. Gelingt es dem Patienten die stimmschädigenden Einflüsse in seinem beruflichen Alltag zu minimieren, verbessert sich die Symptomatik oft ganz deutlich.
  • Stimmhygiene und Maßnahmen zur Stimmpflege
    Der Patient lernt, worauf er im Sinne der Stimmgesundheit achten sollte.

Dauer der Therapie

Die Dauer einer Stimmtherapie variiert je nach dem Schweregrad der Stimmstörung. Je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto schneller sind in der Regel die Fortschritte. Bei leichten stimmlichen Problemen, bei denen der Arzt keine medizinische Indikation feststellt, kann ein Stimmtraining sinnvoll sein.

Krankenkassen

Gesetzliche und in der Regel auch private Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine medizinisch relevante Stimmstörung, die von einem Hals-, Nasen-, Ohrenarzt oder einem Phoniater diagnostiziert wurde. Dieser stellt eine Verordnung für eine logopädische Stimmtherapie aus, mit der der Patient zu einem Stimmtherapeuten gehen kann.