Stimmlippenknötchen, Schrei- und Sängerknötchen

Bei Stimmlippenknötchen, Schrei- oder Sängerknötchen handelt es sich um beidseitig auftretende, sich gegenüberliegende Verdickungen des Stimmlippenrandes. Sie treten in der Folge einer dauerhaften Überlastung der Stimme auf und führen zu einer leicht- bis mittelgradigen Heiserkeit. Betroffen sind viel und laut sprechende Kinder, Berufssprecher und Sänger. In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu den Ursachen, den Symptomen und den logopädischen und operativen Behandlungsmöglichkeiten.

Und so sehen sie aus:

Ursachen und Enstehung von Stimmlippenknötchen

Stimmlippenknötchen entstehen meistens durch eine Kombination aus einer hohen stimmlichen Belastung und einer ungünstigen Stimmtechnik mit fehlendem Glottisschluss.

Hohe stimmliche Belastung

Eine hohe stimmliche Belastung liegt dann vor, wenn dauerhaft in hoher Lautstärke gesprochen oder gesungen wird. Dadurch kommt es in vielen Fällen zur Entwicklung einer hyperfunktionellen Stimmgebung und damit zu einer hohen Beanspruchung der Stimmlippen. Im Laufe der Zeit kann sich auf diese Weise eine Stimmstörung, die Belastungsdysphonie, entwickeln. Typische Symptome dafür sind:

  • Heiserkeit mit rauer und behauchter Stimme
  • Stimmanstrengung
  • Stimmermüdung
  • Kloßgefühl
  • Laryngeale Verspannungen/Schmerzen beim Sprechen im Halsbereich

Von Belastungsdysphonien besonders häufig betroffen sind:

  • Berufssprecher mit hoher Stimmbelastung, z.B. Lehrer, Erzieher etc.
  • Sänger
  • impulsive und laute Kinder

Ungünstige Stimmtechnik mit hyperfunktioneller Stimmgebung und fehlendem Glottisschluss

Im Normalfall, also bei der physiologischen Stimmgebung, sind die Stimmlippen während der Phonation so positioniert, dass sich beide Stimmlippen in den jeweiligen Schlussphasen auf ganzer Länge berühren. Dieser komplette Glottisschluss ist extrem wichtig für einen gute Stimmfunktion und führt zu einem klaren Stimmklang und einer ökonomischen und leistungsfähigen Stimmgebung.

Bei hoher Stimmbelastung hingegen kommt es häufig dazu, dass sich eine hyperfunktionelle Stimmgebung entwickelt. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass beim Sprechen oder Singen zu viel Druck eingesetzt wird. Diese Pressphonation führt zu einer Überlastung der Stimmlippen, die dem hohen Druck nicht standhalten können. In der Folge stellt sich ein fehlender Glottisschluss ein, der dazu führt, dass Ausatemluft zwischen den Stimmlippen entweicht und einen Sog zwischen diesen erzeugt. Diese mechanische Einwirkung führt im Laufe der Zeit zur Ausprägung von Schleimhautschwellungen, Phonationsverdickungen und Stimmlippenknötchen.

Behandlung bei Stimmlippenknötchen

Stimmlippenknötchen sollten interdisziplinär durch einen Phoniater oder HNO-Arzt einerseits und einem Stimmtherapeuten andererseits behandelt werden. Sollte der Verdacht bestehen, dass es sich um Stimmlippenknötchen handeln könnte, ist immer eine phoniatrische oder HNO-ärztliche Untersuchung erforderlich. In dieser führt der Arzt eine Kehlkopfspiegelung durch und kann auf diese Weise Stimmlippenknötchen eindeutig erkennen. Je nach Schweregrad des Befundes gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Häufig wird das folgende Prozedere empfohlen:

  1. Stimmruhe für 2 Wochen
  2. Logopädische Diagnostik und Stimmtherapie mit den Zielen
    • Entwicklung einer gesunden, physiologischen Stimmtechnik
    • Reduzierung der stimmschädigenden Umgebungsfaktoren
  3. Operation der Stimmlippenknötchen, falls erforderlich
  4. Logopädische Nachbehandlung

Logopädische Diagnostik

Für die Planung der logopädischen Behandlung ist eine ausführliche Stimmdiagnostik erforderlich, die das Stimmprofil des Patienten ermittelt. Dabei werden neben klassischen logopädischen Untersuchungsmethoden auch computergestützte Verfahren eingesetzt. Das Ziel ist es, die atem-, sprech- und stimmtechnischen Stärken und Schwächen des Patienten zu ermitteln. Außerdem ist eine Identifikation der stimmschädigenden Umgebungsfaktoren eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Der Stimmtherapeut lässt sich dabei von den folgenden Fragen leiten:

  • Zeigen sich Symptome einer funktionellen Stimmstörung?
  • Liegt eine Heiserkeit vor und wenn ja, wie stark ist sie ausgeprägt?
  • Bestehen Auffälligkeiten bei der Sprechatmung?
  • Wie hoch ist die Stimmbelastung im Beruf und im privaten Umfeld?
  • Liegen ungünstige Umgebungsfaktoren vor, wie z.B. dauerhaftes Sprechen bei hohem Lärmpegel?
  • Gibt es stimmschädigende Verhaltensweisen, wie z.B. das Rauchen? u.a.

Logopädische Stimmtherapie

Ausgehend von den Erkenntnissen der Stimmdiagnostik entwickelt der Therapeut ein individuelle Behandlungkonzept für den Patienten. Im Vordergrund stehen dabei die Entwicklung einer physiologischen Stimmgebung und der Abbau der stimmschädigenden Umgebungsfaktoren. Typische Therapiebereiche und -ziele sind:

  1. Atmung:
    • Entwicklung einer physiologischen Sprechatmung mit regelmäßigen Atempausen und angemessenen Sprechphrasen.
    • Entwicklung einer physiologischen costoabdominalen Mischatmung (Bauch-Brustatmung)
  2. Stimmgebung:
    • Entwicklung einer ökonomischen, klangvollen und mühelosen Sprechstimme
    • Vollständiger Stimmlippenschluss mit klarem Stimmklang
    • Abbau hyperfunktioneller Phonationsmechanismen
  3. Artikulation:
    • Förderung einer deutlichen Artikulation
    • Anpassung des Sprechtempos
  4. Optimierung der Umgebungsfaktoren:
    • Beseitigung stimmbelastender Faktoren, falls möglich
    • Gezielte Planung des Arbeitstages zur Reduktion der Stimmbelastung
  5. Stimmhygienische Maßnahmen sind Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Stimme
    • Rauchverbot
    • Weitere Tipps erhalten Sie im Artikel „Stimmhygiene und Tipps zur Stimmpflege“.

 FAZIT

  • Stimmlippenknötchen entstehen durch eine Ursachenkombination aus hoher Stimmbelastung und ungünstiger Stimmtechnik.
  • Eine Behandlung sollte immer interdisziplinär durch Phoniater/HNO-Arzt & Stimmtherapeut erfolgen.
  • Die Ziele in der logopädischen Stimmtherapie sind:
    • Abbau der Stimmbelastung
    • Optimierung der Stimmtechnik