Wenn Stimmlippen/Stimmbänder nicht richtig schließen

Die Stimmlippen, häufig Stimmbänder genannt, sind die zentrale Struktur für die Stimmbildung. Sie liegen innerhalb unseres Kehlkopfes, werden von der Atemluft in Schwingung versetzt und produzieren damit den primären Kehlkopfton. Wenn sie bei der Stimmgebung nicht richtig schließen, kommt es zur Heiserkeit, dem Hauptmerkmal von Stimmstörungen (Dysphonien). Als Voraussetzung für ein erfolgreiches Stimmtraining, ist das Verständnis über die  Funktionsweise der Stimmlippen unverzichtbar. Daher möchte ich in diesem Beitrag diese Struktur genauer vorstellen.

Stimmbänder oder Stimmlippen?

Auch wenn umgangssprachlich häufiger der Begriff  Stimmbänder verwendet wird, ist aufgrund der anatomischen Gestalt die Bezeichnung Stimmlippen zutreffender. Sie ähneln sie in ihrer Form und Funktion unseren Mundlippen.

Anatomie und Physiologie

Die Stimmlippen liegen in horizontaler Position innerhalb des Kehlkofes und ziehen von dessen Innenseite nach hinten zu den beweglichen Stellknorpeln (Aryknorpel).  Sie bilden zusammen die Stimmritze oder Glottis.

Inspirationsstellung
In der Einatmungsphase öffnet sich die Glottis, indem die Stimmlippen von den Stellknorpeln zur Seite bewegt werden. In diese Atemstellung kann die Luft ungehindert in die Lunge einströmen.

Phonationsstellung
Während der Phonation bewegen die Stellknorpel die Stimmlippen zur Mitte hin und verschließen damit die Glottis. Die aus der Lunge ausströmende Atemluft versetzt die Stimmlippen während der Stimmgebung (Phonation) in Schwingung. Dadurch entsteht der primäre Kehkopfton, der dann in den Resonanzräumen zu Sprachlauten geformt wird.

Die Struktur

Die Stimmlippe besteht aus unterschiedlichen Schichten und lässt sich funktionell in 3 Schichten einteilen. Dieses System wird als Body-Cover-Modell beschrieben.

1. Schicht: Schleimhaut
Die Schleimhaut besteht aus Epithel und bildet die Deckschicht der Stimmlippe (Cover)

2. Schicht: Lamina Propria
Die aus Bindegewebe bestehende zweite Schicht, das eigentliche Stimmband, bildet die Übergangsschicht (transition)

3. Schicht: Musculus vocalis
Im Inneren der Stimmlippe befindet sich der Muskel der Stimmlippe (Body)

Aufgrund der unterschiedichen Massen dieser Strukturen, entsteht ein ganz spezifisches Schwingungsverhalten. Die zur Hauptschwingung vertikal verlaufenden Schleimhautwellen führen zu einer Abrollbewegung der Stimmlippen, zur sog.  Randkantenverschiebung oder mucosal wave. Man erkennt dies gut im folgenden Video.

Was die Stimmlippen gesund hält

Die Oberfläche der Stimmlippen und des gesamten Kehlkopfes besteht aus einem relativ empfindlichen Schleimhautepithel. Um die Stimme gesund zu erhalten sollten sie auf die folgenden Punkte achten:

  • Schonen Sie Ihre Stimme im akuten Infekt. Sprechen Sie dann wenig aber vermeiden Sie das Flüstern.
  • Gehen Sie bei länger als 2 Wochen andauernder Heiserkeit zu einem Phoniater oder HNO-Arzt.
  • Trinken Sie ausreichend und regelmäßig.
  • Planen Sie in Ihren Arbeitsalltag stimmliche Ruhepausen ein.
  • Hören Sie möglichst auf zu rauchen.
  • Vermeiden Sie Passivrauchen.
  • Reduzieren Sie, soweit möglich, die Umgebungslautstärke.
  • Minimieren Sie Stress und Zeitdruck.
  • Konsumieren Sie alkoholische Getränke nur in Maßen.

Weitere Informationen erhalten Sie im Artikel Stimmhygiene.

Wenn die Stimmlippen nicht richtig schließen

Der fehlende Glottisschluss führt dazu, dass während der Stimmgebung ein Glottisspalt entsteht. Dies führt zu einem hörbaren Strömungsgeräusch, dem additiven Rauschen, das zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Heiserkeit führt. In diesem Fall ist eine logopädische Stimmtherapie erforderlich, in der Patient mit Hilfe verschiedener Stimmübungen lernt, seine Stimme auf ökonomische und gesunde Weise einzusetzen. Mit zunehmendem Glottisschluss reduziert sich die Heiserkeit und verbessert sich die Stimmqualität.

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