Sprechfaule Kinder – gibt es die überhaupt?

Im Eingangsgespäch der logopädischen Diagnostik wird von Eltern häufig die Vermutung geäußert, dass das Kind „nur sprechfaul sei“ und deshalb noch nicht spreche. Dieser Begriff ist jedoch aus verschiedenen Gründen problematisch und wird von Sprachtherapeuten daher in der Regel nicht verwendet. Vielmehr zeigt die logopädische Praxis, dass es meistens andere Gründe dafür gibt, wenn Kinder noch nicht sprechen. Lesen Sie in diesem Artikel, warum Logopäden nicht an sprechfaule Kinder glauben.

Problematischer Begriff: Sprechfaulheit

Faulheit ist eine negativ besetzte Karaktereigenschaft. Wenn Kinder als sprechfaul bezeichnet werden, geht damit eine deutliche Wertung einher. Dem Kind wird damit sozusagen die Schuld dafür gegeben, dass es noch nicht spricht. Häufig wird der Begriff aber auch verharmlosend verwendet, indem damit ausgedrückt werden soll, dass das Kind eigentlich sprechen könnte, wenn es nur wollte. Faulheit wird von vielen betroffenen Eltern als weniger belastend empfunden als das Vorliegen einer Sprachverarbeitungsstörung.

Aus sprachtherapeutischer Sicht zeigen sich in der Diagnostik jedoch meistens sprachsystematische, entwicklungsbedingte oder kommunikative Auffälligkeiten, die die wahren Ursachen für die Sprachverzögerung der Kinder sind. Damit  sprachauffälligen Kindern so gut wie möglich geholfen werden kann, ist daher immer eine differenzierte Sprachdiagnostik erforderlich.

Die Sprachdiagnostik

In einem ausführlichen Eingangsgespräch werden die Eltern zunächst über die sprachliche Entwicklung des Kindes befragt. Anhand der folgenden Fragen geht es darum, herauszufinden, wie sich das Sprachsystem des Kindes entwickelt hat:

  • Wie ist die Gesamtentwicklung des Kindes verlaufen?
  • Hört das Kind gut?
  • Hatte das Kind häufig Mittelohrentzündungen oder Paukenergüsse?
  • Gab es irgendwelche bedeutsamen Erkrankungen?
  • Wie kommuniziert das Kind nonverbal?
  • Wie ist der Blickkontakt des Kindes?
  • Wie reagiert das Kind auf Sprache? etc.

Mit Hilfe verschiedener Sprachtests ermittelt der Sprachtherapeut im Anschluss den kommunikativen und  sprachlichen Entwicklungsstand des Kindes.

Fazit

  1. Wenn Kinder nicht sprechen, gibt es unserer Meinung nach dafür andere Gründe als „Sprechfaulheit“.
  2. Mögliche Ursachen sind Sprachentwicklungsverzögerungen, Sprachentwicklungsstörungen, Schüchternheit, Mutismus oder sprechhemmende Verhaltensweisen im Umfeld des Kindes.
  3. Bei sprachauffälligen Kindern sollte eine Sprachdiagnostik möglichst früh erfolgen.
  4. Die therapeutische Behandlung richtet sich nach den Erkenntnissen der Diagnostik.
  5. Für sprachentwicklungsverzögerte Kinder im Alter von 2-3 gibt es das sehr wirkungsvolle Heidelberger Elterntraining.

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