Leserechtschreibstörungen & Sprachentwicklungsstörungen: Zwei Probleme, gleiche Ursache?

Sprachentwicklungsstörungen gelten als Risikofaktor für das spätere Auftreten von Leserechtschreibstörungen. Zugrunde liegt bei den Kindern eine spezifische Verarbeitungsschwäche für Sprache, die im Vorschulalter u.a. dazu führt, dass Sprachlaute nicht differenziert wahrgenommen werden können und in der Folge fehlgebildet werden. Auch wenn sich die Symptome der Artikulationsstörung unter logopädischer Therapie meistens bessern, führen diese auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprobleme zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu Problemen. Nämlich dann, wenn die Kinder in der ersten Klasse lernen müssen, den Sprachlauten die richtigen Buchstaben zuzuordnen.


Sprachentwicklungsstörungen mit Artikulationsstörungen als Risikofaktor von Leserechtschreibstörungen (LRS)

Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern fallen den Eltern meistens ab dem 18. Lebensmonat auf, wenn die Kinder nur wenige Wörter sprechen und noch keine Wortkombinationen bilden. Im weiteren Verlauf dieser auffälligen Sprachentwicklung zeigen die Kinder meistens mehr oder weniger stark ausgeprägte Artikulationsstörungen, die dadurch gekennzeichnet sind, dass Sprachlaute sowohl fehlerhaft wahrgenommen werden, als auch fehlerhaft produziert werden. Typische Symptome sind die Ersetzung oder das Auslassen von Lauten und Silben und eine insgesamt sehr undeutliche, schwer zu verstehende Aussprache.

Der Zusammenhang zwischen Sprachentwicklungsstörungen, auditiven Wahrnehmungsstörungen (AVWS) und Leserechtschreibstörungen (LRS)

Die auditive Wahrnehmung und Verarbeitung ist eine Voraussetzung für die Sprachentwicklung. Noch im Mutterleib erreichen erste Schallsignale das Gehirn des Fetus und sorgen im Großhirn für erste Hörerfahrungen. Diese auditive Wahrnehmung und Verarbeitung der Schallsignale führt im weiteren Verlauf zur Entwicklung der Aussprache des Kindes. Das Kind nähert dabei seine eigene Lautproduktion systematisch an die artikulatorischen Regeln seiner Zielsprache an. Bei unauffälliger Sprachentwicklung sprechen Kinder mit ca. 4 Jahren mit deutlicher Aussprache.
Kinder mit Artikulationsstörungen hingegen, haben ein sprachspezifisches Problem bei der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung von Sprachlauten. Sie haben Schwierigkeiten dabei, ähnlich klingende Laute zu unterscheiden oder sich Abfolgen von Lauten zu merken. Beim Schriftspracherwerb führen diese Defizite dazu, dass die Kinder bei dem sehr komplexen Prozess der Zuordnung von Sprachlauten (Phonemen) zu  Buchstaben (Graphemen) Schwierigkeiten haben. Dies kann zur Entwicklung von Leserechtschreibstörungen führen.

Fazit

Artikulationsstörungen sollten so früh wie möglich diagnostiziert und sprachtherapeutisch behandelt werden, um das Risiko für Leserechtschreibstörungen zu minimieren. Bei verzögerter Sprachentwicklung empfehlen wir eine Sprachdiagnostik in einer logopädischen Praxis oder einem sozialpädiatrischen Zentrum mit 2 Jahren.

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