Schüchternheit, Sprechhemmung & Mutismus: Wenn Kinder nicht sprechen wollen

Schüchternheit und Sprechhemmungen bei Kindern sind keine Seltenheit. Bei einigen Kindern treten die Sprechhemmungen in so starker Weise auf, dass sie das Sprechen außerhalb der Familie vollständig vermeiden. In diesen Fällen spricht man von der Kommunikationsstörung Mutismus. Da sowohl die Kinder als auch die Eltern sehr stark unter dieser Kommunikationsstörung leiden, sollten betroffene Kinder kinderpsychologisch oder durch einen speziell ausgebildeten Sprachtherapeuten behandelt werden.

Sprechhemmungen und Mutismus

Während die betroffenen Kinder im häuslichen Umfeld mit vertrauten Personen ganz normal kommunizieren, verweigern sie das Sprechen, sobald sie den geschützten Raum verlassen. Mit fremden Personen oder auch im Kindergarten verweigern sie nicht nur die sprachliche, sondern häufig auch die nonverbale Kommunikation, wie z.B. den Blickkontakt.

Sprechhemmungen und Sprachentwicklung

Für einen guten Spracherwerb ist die Freude an der Kommunikation und am Sprechen ein wesentlicher Faktor. Die beste Voraussetzung für einen schnellen und unauffälligen Spracherwerb ist es, wenn Kinder gerne und viel sprechen und Spaß an der Interaktion mit anderen Menschen haben. Daher kommt der Förderung der Sprechfreude eine wichtige Bedeutung in der logopädischen Behandlung sprechgehemmter oder mutistischer Kinder zu.

Förderung der Sprechfreude in der Logopädie

Von jeher ist die Förderung der Sprechfreude ein wichtiges Anliegen der Logopädie und besonders bei schüchternen und sprechgehemmten Kindern ist es ein vorrangiges Ziel, Spaß und Freude am ungehemmten Sprechen zu vermitteln. Das aller wichtigste ist dabei, den Kindern das Gefühl zu vermitteln, dass Fehler beim Sprechen nicht schlimm sind. Um das zu erreichen, ist es meistens unumgänglich, die Eltern darin zu schulen, wie man möglichst sprachförderlich mit Kindern kommuniziert.

Heidelberger Elterntraining: Elternkurs zur Vermittlung sprachförderlicher Verhaltensweisen

Das Heidelberger Elterntraining ist ein Trainingsprogramm, das gezielt für die Sprachförderung junger Kinder im Alter von 2-3 entwickelt wurde. Das Schulungsprogramm verfolgt das Ziel, die Eltern systematisch darin zu schulen, wie man sprachförderlich mit Kindern kommuniziert und welche Verhaltensweisen sprachhemmend wirken. Die Erfahrung zeigt, dass viele Kinder im Verlauf des Trainings sprachlich viel aktiver werden und freudvoller kommunizieren.

Sprechhemmende Verhaltensweisen

Verhaltensweisen, die Kinder in der Kommunikation unter Druck setzen, führen dazu, dass sie die Freude am Sprechen verlieren. Diese sprechhemmenden Verhaltensweisen sollten besonders bei schüchternen, sprachlich gehemmten oder mutistischen Kindern vermieden werden.
Eltern sollten ihre Kinder …

  • nicht nachsprechen lassen, verbessern oder korrigieren,
  • nicht zum Sprechen auffordern,
  • nicht abfragen,
  • nicht vorführen,
  • nicht unterbrechen, sondern aussprechen lassen.

Weitere Informationen finden sie im Artikel Sprechhemmende Verhaltensweisen im Dialog mit Kindern.

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