Reinke-Ödem/Stimmlippenödem: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Beim Reinke-Ödem kommt es zu einer dauerhaften Schwellung der Stimmlippen. Es tritt häufig im Zusammenhang mit einer hohen Stimmbelastung in Kombination mit dem Rauchen auf. Das Stimmlippenödem führt zu aufgequollenen, vergrößerten Stimmlippen und damit zu einem tiefen und heiseren Stimmklang, der auch als er Whiskey-Stimme bezeichnet wird. Lesen Sie in diesem Artikel über die Ursachen dieser organischen Dysphonie (Stimmstörung) und wie man sie logopädisch und operativ behandeln kann.

Logopädische Therapie beim Reinke-Ödem

Das Reinkeödem ist eine organische Veränderung der Stimmlippen in Folge einer Flüssigkeitsansammlung aus dem umliegenden Gefäßsystem. Die Ursachen sind meistens eine dauerhafte Überlastung der Stimme in Kombination mit dem Rauchen. Betroffen sind häufig Frauen über 40, die anamnestisch darüber berichten, schon immer eine tiefe Stimme gehabt zu haben.
 Aufgrund der verdickten, aufgetriebenen Stimmlippenstruktur klingt die Stimme tief und rauh, was vor allem im Anfangsstadium des Reinkeödems von vielen Patienten noch als attraktiv empfunden wird. Viele der weiblichen Patienten gehen erst dann zum Arzt oder Logopäden, wenn sie häufig mit „Herr“ angesprochen werden oder das Sprechen aufgrund der Stimmstörung sehr anstrengend wird.

Logopädische Diagnostik und Therapie

Eine medikamentöse Therapie zur Behandlung des Reinke-Ödems ist wirkungslos. In der Anfangsphase eines Reinke-Ödems kann eine logopädische Stimmtherapie aber zur Rückbildung des Ödems führen. Die Ziele der Therapie sind dabei die Entwicklung einer guten und ökonomischen Stimmtechnik und der Abbau stimmschädigender Verhaltensweisen und richten sich nach den Erkenntnissen der Stimmdiagnostik. Diese findet immer zu Beginn einer logopädischen Behandlung statt und hat die Aufgabe, herauszuarbeiten, welche logopädisch relevanten Faktoren zur Entwicklung des Reinke-Ödem beigetragen haben. Der Therapeut lässt sich dabei von den folgenden Fragen leiten:

  • Liegen stimmtechnische Defizite vor?
  • Spricht der Patient mit zu viel Druck?
  • Bestehen Auffälligkeiten bei der Sprechatmung?
  • Liegen ungünstige Umgebungsfaktoren vor, wie z.B. dauerhaftes Sprechen bei hohem Lärmpegel?
  • Gibt es stimmschädigende Verhaltensweisen, wie z.B. das Rauchen? u.a.

Ausgehend von den Ergebnissen der Diagnostik lernen die Patienten im Rahmen der logopädischen Übungsbehandlung, wie die Stimme leicht und ökonomisch funktioniert. Gearbeitet wird meist in den folgenden Therapiebereichen:

  1. Atmung:
    • Entwicklung einer physiologischen Sprechatmung mit regelmäßigen Atempausen und angemessenen Sprechphrasen.
    • Entwicklung einer physiologischen costoabdominalen Mischatmung (Bauch-Brustatmung)
  2. Stimmgebung:
    • Entwicklung einer ökonomischen, klangvollen und mühelosen Sprechstimme
    • Vollständiger Stimmlippenschluss mit klarem Stimmklang
    • Abbau hyperfunktioneller Phonationsmechanismen
  3. Artikulation:
    • Förderung einer deutlichen Artikulation
    • Anpassung des Sprechtempos
  4. Optimierung der Umgebungsfaktoren:
    • Beseitigung stimmbelastender Faktoren, falls möglich
    • Gezielte Planung des Arbeitstages zur Reduktion der Stimmbelastung
  5. Stimmhygienische Maßnahmen sind Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Stimme
    • Rauchverbot
    • Weitere Tipps erhalten Sie im Artikel „Stimmhygiene und Tipps zur Stimmpflege“.

Operative Maßnahmen mit anschließender Stimmtherapie

Wenn sich ein Reinke-Ödem durch eine logopädische Therapie nicht erfolgreich behandeln lässt, ist unter Umständen eine Operation erforderlich. Dabei ist die Art und Weise der Operation entscheidend für die postoperative Stimmqualität. Da die Bindegewebsschicht der Stimmlippe eine enorme Bedeutung für die Stimmqualität hat, müssen Reinkeödeme sehr vorsichtig abgetragen werden. Das Stimmband darf nicht freigelegt werden (Dekortikation, Stimmlippenstripping), sondern muss so weit wie möglich erhalten bleiben. Nach der Operation ist immer eine logopädische Stimmtherapie erforderlich, um mit dem Patienten eine möglichst physiologische Stimmfunktion zu erarbeiten.

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