Das KISS Syndrom im Zusammenhang mit Sprachstörungen und auditiven Wahrnehmungsstörungen

KISS steht für Kopfgelenk induzierte Symmetrie Störung. Vor allem im Zusammenhang mit Sprachentwicklungsstörung, Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsstörungen und auditiven Wahrnehmungsstörungen wird im logopädischen Praxsisalltag von Eltern häufig die Frage gestellt, ob das Kiss Syndrom die Ursache für die Probleme sein könnte. Ob das Kiss Syndrom tatsächlich existiert und ob es eine derart negative Auswirkung auf die kindliche Entwicklung hat, ist unter Fachleuten äußerst umstritten.

Das Kiss Syndrom aus alternativmedizinischer Sicht

Nach Ansicht vieler Alternativmediziner entsteht das Kiss Syndrom meistens bei noch Ungeborenen im Rahmen einer ungünstigen Lage im Mutterleib oder einer erschwerten Geburt. Dadurch komme es zu einer mechanischen Fehlstellung der Kopfgelenke und in der Folge zu einer Vielzahl von Verhaltens- und Entwicklungsproblemen. Von besonderer Relevanz aus logopädischer Sicht sind dabei die folgenden Symptome:

  • Lern- und Konzentrationsstörungen in der Schule
  • Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten
  • auditive Wahrnehmungsstörung
  • Andere Wahrnehmungsstörungen
  • ADHS oder ADHS-ähnliche Verhaltensweisen
  • Soziale Auffälligkeiten
  • Motorische Defizite
  • Schluckprobleme im Säuglingsalter
  • Emotionale Störungen, wie z.B. Reizbarkeit, Ungeduld, Aggressivität

Das Kiss Syndrom aus schulmedizinischer Sicht

Da aus Sicht der evidenzbasierten Medizin der Zusammenhang zwischen den geschilderten Entwicklungsauffälligkeiten und der vermuteten Ursache des Kiss Syndroms nicht nachweisbar ist und bislang keine wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit der empfohlenen Therapiemethoden vorgelegt wurden, wird dem Kiss Syndrom aus schulmedizinischer Sicht keine Bedeutung beigemessen.

Das Kiss Syndrom aus logopädischer Sicht

Die Frage, ob es sich bei sprachlichen Entwicklungsproblemen und Defiziten im Bereich der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung um die Folge eines Kiss Syndroms handelt, kann aus logopädischer Sicht nicht beurteilt werden. Wie bei vielen anderen Entwicklungsstörungen auch, bleibt die Frage nach den Ursachen häufig unbeantwortet. Für die logopädische Behandlung ist nicht die Frage nach den Ursachen entscheidend, sondern die genaue Analyse der sprachlichen Symptomatik.

Logopädische Diagnostik
Das Ziel der logopädischen Diagnostik ist eine möglichst genaue Beurteilung der sprachlichen Fähigkeiten und die Identifikation möglicher Entwicklungsauffälligkeiten im Bereich der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung. Die Leitfragen im logopädischen Diagnostikprozess sind dabei die folgenden:

  • Wie ist die sprachliche Entwicklung verlaufen?
  • Liegt eine Artikulationsstörung vor?
  • Liegen Auffälligkeiten in anderen Entwicklungsbereichen vor?
  • Hatte das Kind in der Vergangenheit häufig Mittelohrentzündungen oder Paukenergüsse?
  • Liegt oder lag in der Vergangenheit eine Hörstörung vor?
  • Zeigen sich Auffälligkeiten bezüglich der Wahrnehmung und Verarbeitung auditiver Signale?
  • Fällt es dem Kind schwer, sich auf sprachliche Inhalte zu konzentrieren?
  • Kann sich das Kind sprachliche Inhalte schlecht merken?
  • Ist das Kind geräuschempfindlich?

In der logopädischen Diagnostik werden die unterschiedlichen sprachlichen und auditiven Leistungen in einer umfangreichen Diagnostik geprüft. Eine vollständige Diagnostik der auditiven Wahrnehmung erfordert zusätzlich noch diverse pädaudiologische Untersuchungsverfahren wie sie z. B. in einem SPZ mit pädaudiologischer Abteilung angeboten werden.

Logopädische Therapie: Symptomorientierte Behandlung der sprachlichen und auditiven Verarbeitungsdefizite

Aufbauend auf den Erkenntnissen der logopädischen Diagnostik plant der Logopäde eine individuell auf das Kind abgestimmte Therapie. Die Behandlung findet in der Regel 1-2x wöchentlich statt und wird durch häusliche Übungen von den Eltern unterstützt.

Zurück zur Start-Seite: totalvokal | Logopädie Stimmtraining Gesang